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04.10.2019
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"Ein bäuerliches Zeichen setzen"

Bäuerinnen und Bauern demonstrieren gegen Sojoimprte

In Brake am Hafen kommt alles zusammen. Als die Bauern und Bäuerinnen nach eineinhalb Stunden ihre Treckerblockade des größten deutschen Futtermittelhafens beenden, rollen an die 100 LKW in beide Richtungen durch das einzige Zufahrtstor. Wie eine Stampede wütender Elefantenherden in der Savanne donnern die Transporter vorbei. Plötzlich wird deutlich, dass es hier nicht nur um Soja aus abgebranntem Regenwald in Brasilien geht, um ein Handelsabkommen, das bäuerliche Existenzen dies- und jenseits des Atlantiks gefährdet, sondern auch um Transporte auf der Straße, um Energie und um Arbeitsbedingungen. Wie unter einem Brennglas konzentriert sich alles in der norddeutschen Provinz in einem Kaff an der Unterweser drei Tage vor dem globalen Klimastreiktag und den Offenbarungen des deutschen Klimakabinetts. „Ich stehe hier, weil ich als Bäuerin ein Zeichen setzen will“, hatte Elisabeth Fresen, AbL-Bundesvorsitzende, eineinhalb Stunden zuvor in eine Fernsehkamera gesagt, in der gestikulierenden Hand ein kleines Küchenmesser. Eigentlich hatte sie damit gerade Strohband geschnitten, um Transparente an den Treckern zu befestigen. Jetzt unterstreicht es ihre Entschlossenheit. Gemeinsam mit rund 40 AbL- und BDM-Bäueirnnen und -bauern sowie Unterstützern vom BUND und der Arbeitslosenselbsthilfe in Oldenburg sind sie mit sieben Treckern vor das Zufahrtstor des Braker Hafengeländes gefahren. Nichts geht mehr, schon Minuten später stauen sich LKW in beiden Richtungen.

Brake klingt erst einmal nach nicht viel, tatsächlich ist dort aber der wichtigste Hafen für Futtermittel und Getreide in Deutschland. 3,44 Millionen Tonnen davon wurden hier 2018 nach eigenen Angaben umgeschlagen. Vieles davon ist Soja, auch aus Südamerika, wo dafür nicht selten Wald- und Savannenflächen gerodet werden. Es landet in Futtertrögen nicht nur niedersächsischer Ställe, weil es konkurrenzlos billig ist und wichtiger Schmierstoff einer Fleischerzeugung, von der Bauern und Bäuerinnen trotzdem nicht leben können. Die weltweite Sojaproduktion hat sich in den letzten 60 Jahren verzwanzigfacht, auf 353 Millionen Tonnen im Jahr 2017. Allein in den letzten 20 Jahren hat sie sich mehr als verdoppelt. Die EU ist mit 33,3 Millionen Tonnen Sojaprodukten (Sojabohnen, Schrot, Öl etc.) pro Jahr nach China zweitgrößter Importeur. Nach Deutschland gingen 2018 3,5 Millionen Tonnen Sojaschrot. Das meiste Soja in Deutschland wird an Schweine verfüttert (1,8 bis 2 Mio. Tonnen), danach folgen Geflügel (1,2 bis 1,3 Mio. Tonnen) und Rinder (0,1 bis 0,2 Mio. Tonnen).

Unterstützung für Jugend

Aber es geht eben um mehr als um Soja: Das geplante Mercosur-Handelsabkommen mit den südamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay würde durch Rindfleischimporte in die EU ohne Standards einer artgerechten Haltung und klimagerechten Fütterung billige Konkurrenz machen, erklärt Fresen, die Mutterkühe hält. „Mercosur darf nicht beschlossen werden“, auch weil im Gegenzug Bäuerinnen und Bauern in Südamerika durch z. B. Milchimporte aus der EU unter Druck gerieten. Deshalb war auch Milchbauer Peter Habena vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter mit seinem Trecker vor dem Hafentor in Brake. „Wir brauchen eine Qualitätsstrategie mit fairen Preisen statt Exportstrategie.“ Heimische Eiweißfutterpflanzen, soziale Standards, Umwelt- und Klimaschutz, alles bringen die Unterstützer der Blockade vor. Aus all diesen Gründen unterstütze man den Klimastreiktag drei Tage später und die Jugendbewegung Fridays for Future, resümiert Georg Janßen. „Wir können nicht länger warten.“ Schließlich treffe der Klimawandel Bäuerinnen und Bauern zuerst. Die LKW-Fahrer seien nicht die Verantwortlichen, er hoffe auf Verständnis, so Janßen. Dann räumten die Bauern und Bäuerinnen die Fahrbahn.