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14.12.2021
Paula Gioia, für die AbL im ECVC-Vorstand und Mitglied der Delegation von La Via

Klimakonferenz der Unvollständigkeit

Kleinbäuer:innen protestieren für nachhaltige, klimaschützende Landwirtschaft Foto: Berrow/Landworkers Alliance

Die Menschheit steckt im bewegendsten Klimajahr aller Zeiten. Wir sind fast täglich mit historischen Überschwemmungen, Waldbränden und Dürren konfrontiert. Verschärft durch die anhaltende globale Pandemie nehmen Hunger und Armut zu. Und ohne die Ungleichheiten beim Zugang zur Corona-Impfung zu berücksichtigen, nutzte die britische Regierung die Pandemie als einen weiteren Vorwand, um Menschen aus dem globalen Süden von der Teilnahme an der internationalen Klimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow auszuschließen. So wurden die Stimmen und Lösungen derjenigen, die am unmittelbarsten von der Klimakrise betroffen sind, durch diesen Ausgrenzungsprozess beeinträchtigt. Trotz allen gelang es La Via Campesina (LVC), eine 14-köpfige internationale Delegation nach Glasgow zu holen, die von der Landworkers' Alliance (LWA), unserer in Großbritannien ansässigen Mitgliedsorganisation, herzlich empfangen wurde. Unter Federführung der LWA trat La Via Campesina der COP26-Coalition bei, einem großen Bündnis zivilgesellschaftlicher und systemkritischer Kämpfe gegen fossile Brennstoffe, Rassismus, Kolonialismus und Patriarchat. Am 6. November, dem Globalen Aktionstag für Klimagerechtigkeit, zog das Bündnis mit über 100.000 Klimaaktivist*innen durch die Straßen von Glasgow. Sie forderten Aktion und Verantwortlichkeit von den weltweiten Entscheidungsträger*innen und UN-Vertreter*innen. Der „Bäuer*innen-Block“ umfasste Hunderte von Bäuer*innen, die wunderschöne Requisiten trugen, darunter einheimische Blumen und Vögel aus Schottland sowie Pappmaché-Bäume. Trotz Regen und Wind war die Stimmung begeisternd und laut und wir trugen mit Stolz unsere LVC-Banner und -Fahnen.

Agrarökologie stärken

„Mit Landwirt*innen zu laufen, die die Vision für Ernährungssouveränität und Klimagerechtigkeit teilen, war ein unglaublich starkes Gefühl. Mich trieb der Gedanke an all die LVC-Organisationen, die aufgrund des ausschließenden Charakters dieser Konferenz nicht bei uns sein konnten, an; für ihre Anliegen müssen wir am stärksten kämpfen“, sagte Jessie MacInnis von der National Farmers Union in Kanada. Stuart Oke von derselben Organisation ergänzte: „Der Globale Aktionstag für Klimagerechtigkeit war ermutigend und eine erfrischende Pause für alle, die vom Greenwashing der Unternehmen, das wir im Rahmen der formellen COP26-Konferenz gehört und gesehen haben, frustriert sind.“ Auf der Konferenz wurden jede Menge marktbasierte Lösungsansätze, riskante Techno-Fixes und „Net Zero“-Vorschläge sowie andere wolkige Versprechungen gemacht, kaum jedoch zielgerichtete Aktionen! In einem solchen widrigen Umfeld nutzte unsere Delegation alle Möglichkeiten, unsere Botschaft deutlich zu machen: „Wir sind diejenigen, die die Welt ernähren. Wir liefern 70 bis 80 Prozent der Nahrungsmittel, die Sie essen, aber unsere Stimmen fehlen bei den Verhandlungen auf der COP26. Hier darf nur die Agrarindustrie zu Wort kommen. Was wir erleben, ist die Übernahme der UN-Systeme durch Unternehmen. Die Bäuer*innen, die Hirt*innen, die Schwarzen, die Indigenen, die Farbigen, die Hungernden, die Armen, die Landlosen – sie alle sollten im Mittelpunkt der Verhandlungen auf der COP26 stehen. Wir sind diejenigen, die die Lösungen haben“, erklärte Dee Woods von der Landworkers' Alliance auf einer von LVC organisierten Aktion während der Konferenz am 8. November. Dies wurde von Marissa Reyes von Puerto Ricos Organización Boricuá, ebenfalls Mitglied von La Via Campesina, bekräftigt: „Ich vertrete hier den globalen Süden. Wir sind hier viel zu wenig vertreten, dabei leidet der Süden am stärksten unter der Klimakrise. Die Agroindustrie profitiert von Katastrophen wie den Hurrikans in Puerto Rico 2017, während wir – die echte Lösungen für die Klimakrise haben – anfälliger werden. Agrarökologie sollte bei der Anpassung an den Klimawandel eine zentrale Rolle spielen, nicht Katastrophenkapitalismus.“

People‘s summit

Viele der klimafreundlichen und sozial gerechten Praktiken von Kleinbäuer*innen wurden von LVC-Delegierten vom 7. bis 10. November bei verschiedenen Veranstaltungen des von der COP26-Coalition organisierten People‘s Summit vorgestellt. Hier wurden außerhalb der formellen Konferenz Bündnisse zwischen verschiedenen Klimagerechtigkeitsakteuren gestärkt.

Der letzte Verhandlungstag der offiziellen Konferenz war geprägt vom People´s Plenary, einem sektorenübergreifenden Zusammenschluss aus Zivilgesellschaft und Interessengruppen, die auf die Ungerechtigkeiten der COP26 aufmerksam machten. Sie stellten Lösungen von der Basis vor, die vielfach durch die Unternehmen innerhalb der Verhandlungen untergraben wurden. In einer kollektiven Aktion verließen am 12. November Hunderte von akkreditierten Delegierten den Konferenzraum, um gemeinsam mit den Außenstehenden zu protestieren.