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11.01.2022
Angela Dunst, Johannes Mautner und Florian Scharf, Amt für Ernährung, Landwirts

Raus aus der Anbindehaltung

Der angebaute, mit Kompost eingestreute Liegebereich

Viele Betriebe – egal ob klein, mittel oder groß – stehen aktuell vor der Frage: Wie kann ich einfach, schnell, kostengünstig und praktikabel aus der dauerhaften Anbindehaltung rauskommen, dabei aber gleichzeitig in der Milchviehhaltung bleiben? Eine Möglichkeit dafür wäre die sogenannte Kombihaltung. Im folgenden Beitrag möchten wir Ihnen einen Betrieb mit 30 Kühen vorstellen, der den Schritt von der Anbindehaltung über die Kombihaltung zur Laufstallhaltung geschafft hat. Seit 2011 wird der Betrieb bereits ökologisch bewirtschaftet. Aufgrund der arrondierten Flächen konnte damals schon im Sommer eine Vollweide praktiziert werden. Diese Haltungsform entsprach bereits den jetzigen Anforderungen der Kombinationshaltung (120 Tage auf Weide). Der Betrieb setzt 180 Tage größtenteils unter Vollweidebedingungen um. Um auch im Winter den Tieren einen bestmöglichen Kuhkomfort zu bieten, wurde 2019 an den bestehenden Anbindestall eine einfache Liegehalle für ca. 30 Kühe angebaut. Der Stall wurde als Kompostierungsstall konzipiert. Der Anbau wurde direkt an die Längsseite des alten Anbindestalles angeschlossen. Der Freiraumstall gibt den Tieren die Möglichkeit, sich frei ablegen und alle Liegepositionen einnehmen zu können. Sie werden nicht durch etwaige Abtrennungen, Bügel oder Sonstiges beim Aufstehen oder Ablegen behindert und stoßen sich nicht daran. Eine weiche, verformbare Liegefläche sorgt für optimalen Komfort und verhindert Technopathien. So haben die Tiere im Sommer wie im Winter den Liegekomfort wie auf der Weide, ihrem natürlichen Lebensraum. Der Kompostierungsstall zeichnet sich zudem durch eine hygienische und trockene Oberfläche aus und beugt so Euter- und Klauenentzündungen sehr wirksam vor. Es wurden keine Güllekanäle o.ä. gebaut. Die Außenmaße der Liegehalle betragen 40,90 m Länge und 8,50 m Breite. Dadurch haben die Kühe ca. 328 m² Liegefläche zur Verfügung, pro Kuh etwa 11 m². Eingestreut wird mit Hobelspänen. Erstmals wurde der Kompostierungsstall im Winter 2019/2020 belegt.

Kosten

Die Brutto-Baukosten lagen bei insgesamt rund 104.000 Euro, wobei viel Eigenleistung eingebracht werden konnte. Somit konnte der Stallplatz für knapp 3.500 Euro realisiert werden! Eine vergleichsweise kostengünstige Baulösung – zumal die Investitionskosten für den Bau von Milchviehställen kontinuierlich ansteigen. Im Fünfjahresdurchschnitt stiegen die Baukosten jährlich um rund fünf Prozent. Gerade in Zeiten volatiler Milchpreise ist es wichtig, die Baukosten und die daraus resultierenden Festkosten (Afa, Zinsen, Unterhalt und Versicherung) in einem akzeptablen Rahmen zu halten. Werden die jährlichen Festkosten mit sieben Prozent vom Stallplatz kalkuliert, so fallen etwa 245 Euro Gebäudekosten je Kuhplatz und Jahr bzw. 3,5 ct/kg Milch bei 7.000 kg Milchleistung an. Bei einem Umsatz von 40 ct/kg Milch würde rund ein Achtel von den Gebäudekosten gebunden werden.

Alternative zum Laufstall

Der ehemalige Anbindestall wurde bisher kaum umgebaut. Er wird mit der vorhandenen Rohrmelkanlage noch zum Melken und als Fressbereich genutzt. Der ursprünglich geplante Einbau eines gebrauchten Melkstandes wurde mittlerweile verworfen. Da die Tiere allesamt horntragend sind, ist man zu dem Schluss gekommen, dass es im Melkstand für die Tiere nicht so angenehm wäre! Daher soll auch weiterhin im Anbindestall mit der Rohrmelkanlage gemolken werden. Der Kompostierungsstall eignet sich gut als Anbau und bietet eine Alternative zum Laufstall. Das ist eine Möglichkeit, die von anderen Betrieben auch umgesetzt werden kann.