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11.01.2022
Marianne Landzettel, freie Autorin aus London

Hitze, Dürre, Feuer – Kaliforniens Landwirtschaft in der Krise

Das California Aqueduct leitet Wasser aus der Sierra Nevada ins trocknere Südkalifornien (Foto: Kunz)

Der Süden Kaliforniens ist für milde Winter und heiße Sommer bekannt, Wasser ist knapp und kostbar. Ein weit verzweigtes Kanalnetz verbindet den regenreicheren Norden des Staates mit dem trockenen Süden und dort werden 80 Prozent des Wassers für die Landwirtschaft gebraucht. Dank des mediterranen Klimas und der hervorragenden Böden ist der südliche Teil des Central Valley, das San-Joaquin-Tal, eine der landwirtschaftlich produktivsten Regionen der Welt. Kalifornien produziert zwei Drittel aller in den USA verzehrten Früchte und Nüsse sowie ein Drittel allen Gemüses. Mehr als 80 Prozent der Weltmandelproduktion stammen aus dem San Joaquin Valley. Die Bio-Melonen, die hier wachsen, sind von solch guter Qualität, dass sie auch in Supermärkten an der Ostküste verkauft werden, und bei Spinat liegen die Erträge um 60 Prozent höher als in allen anderen US-Anbaugebieten. Kalifornien ist ein Agrarparadies – solange es genug Wasser gibt.

Extreme Dürre – der neue Normalzustand

Die aktuelle Dürreperiode begann 2006, daran änderten auch zwei vergleichsweise regenreiche Winter nichts. Das „Wasserjahr“ in Kalifornien endet am 30.September, und mit 30 mm Regen und Schnee lagen die Niederschlagsmengen für 2021 bei weniger als der Hälfte des Durchschnitts. 50 von insgesamt 58 Bezirken in Kalifornien gelten als von „extremer und außergewöhnlicher Dürre“ betroffen.

Die Landwirte im San Joaquin Valley sind von jeher auf künstliche Bewässerung angewiesen. Die Zuteilung erfolgt über die jeweiligen Wasserbezirke, eine Einheit (acre/foot) sind etwa 1,2 Millionen Liter, die in einem normalen Jahr 250 US-Dollar (220 Euro) kosten würden. In Dürrejahren hat die Trinkwasserversorgung der Städte Vorrang, die Zuteilung für die Landwirtschaft beträgt selten mehr als fünf Prozent. Um überhaupt etwas anbauen zu können und um ihre wertvollen Nussbaumplantagen zu retten, sind die meisten Landwirte gezwungen, auf dem freien Markt Wasser von Landwirten im wasserreicheren Nord-Kalifornien zu kaufen – bei Preisen von 2.000 bis 2.500 US-Dollar (1.800 bis 2.200 Euro) ist es lukrativer, Flächen brach liegen zu lassen und das Wasser an Kollegen im San Joaquin Valley zu verkaufen.

Immer mehr und immer tiefer

Die Alternative ist, das Wasser aus der Tiefe zu holen. Von 2012 bis 2021 wurden im San Joaquin Valley etwa 12.000 Genehmigungen für neue Brunnen erteilt. Gebohrt wird inzwischen bis 1.200 Meter und tiefer mit Geräten, die bisher in der Ölindustrie im Einsatz waren. Die Folge ist nicht nur ein rapider Abfall des Grundwasserspiegels, bis zu 20 Meter binnen weniger Monate. Mit 300 Meter reichen viele alte Brunnen längst nicht mehr tief genug und versiegen, in immer mehr kleinen Gemeinden haben die Bürger kein fließendes Wasser mehr.

Drei Viertel des in der Landwirtschaft benötigten Wassers wird inzwischen aus dem Boden gepumpt. Bodenschichten fallen in sich zusammen, an der Oberfläche oft durch tiefe Risse zu erkennen. Selbst mehrere außergewöhnlich nasse Winter könnten den Grundwasserspiegel nicht mehr ausgleichen. Die kalifornische Regierung hat deshalb 2014 ein „Gesetz zum nachhaltigen Umgang mit Grundwasser“ erlassen. Ab 2042 darf nur so viel Wasser aus dem Boden gepumpt werden, wie durch Regen und Schneefälle ersetzt werden kann. Bis dahin allerdings pumpen die Landwirte so viel und so schnell, wie sie können.

Waldbrände und Dürre

In jedem Frühjahr messen Wissenschaftler in den Bergen der Sierra Nevada die Schneehöhe. Ist sie hoch genug, wird Schmelzwasser bis in den Sommer hinein die Staubecken füllen. Seit Beginn der letzten Dürreperiode 2006 fielen im Winter nicht nur unterdurchschnittlich wenig Schnee und Regen, durch die Klimakrise und die steigenden Temperaturen fiel der Schnee oft auch in hohen Berglagen als Regen und versickerte „ungenutzt“. Dürre und Hitze führen außerdem immer häufiger zu Waldbränden, die „Feuersaison“ herrscht inzwischen fast rund ums Jahr. 2021 brach in Bezug auf Zahl und Größe der Brände alle Rekorde. Mehr als eine Million Hektar Land wurde von den Flammen verwüstet. Die schwarz verbrannten Flächen ziehen Hitze an. Selbst wenn hier Schnee fällt, wird er schneller schmelzen und die Dürre weiter verschlimmern.

Nichts wächst ohne Wasser

„Wie viel Wasser kann ich mir finanziell leisten?“ ist inzwischen die alles entscheidende Frage für Landwirte im San Joaquin Valley. Die Antwort darauf entscheidet darüber, was auf einer Farm angebaut wird und wie viel Land brach liegen bleibt. Joe Del Bosque baut in der Nähe von Firebaugh auf der Westseite des Tals Mandeln und Biomelonen an. 2021 war ein katastrophales Jahr für die Farm. Die Lieferung des ihm zugeteilten und bezahlten Wassers, mit der er im Juni für die Melonen gerechnet hatte, verzögerte sich um mehrere Monate. „Wir bekamen es, als die Saison vorbei war“, teilte er mir Anfang Dezember in einer E-Mail mit. Die Nutzungsrechte für Grundwasser nützen ihm wenig: „Die Qualität ist miserabel. Das Wasser enthält Salze und Bor, beides ist tödlich für das, was wir anbauen. Ich konnte etwas Wasser dazukaufen und es mit dem Brunnenwasser mischen. Trotzdem mussten wir ein Drittel unserer Felder brach liegen lassen.“ Ein weiteres Problem war der Rauch der Waldbrände. „Es ist schwer, den finanziellen Schaden zu beziffern“, schreibt Del Bosque, „wir wissen, dass sowohl extreme Hitze als auch Rauch die Photosynthese beeinträchtigen. Und wir hatten große Sorgen um die Gesundheit unserer Feldarbeiter. Das einzige, was wir tun konnten, war, ihnen Masken zu geben. Wenigstens waren die in diesem Jahr einfacher zu bekommen. Die Zukunft sieht düster aus. Die Staubecken sind leer. Wir hatten zwar einen heftigen Regensturm, aber wirkliche Winterregen sind laut Wetterprognose nicht zu erwarten.“

2021 litt nicht nur Kalifornien, sondern der gesamte Westen der USA unter extremer Dürre, Hitze und Waldbränden. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde der Colorado River zum Wassernotstandsgebiet erklärt und die Wasserzuteilungen für landwirtschaftliche Betriebe drastisch reduziert. Rancher in Colorado mussten ihre Herden verkleinern, Gemüsebauern in Arizona Flächen stilllegen. Was in Kalifornien längst die Regel ist, lässt erahnen, was dem gesamten Westen der USA noch bevorsteht.