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24.01.2022
hg

Weiter schlechte Meldungen vom Schweinemarkt

Schweine im Wartestall bei Tönnies. Foto: Tönnies

Streit zwischen Notierung und Hauspreisen verschärft sich ++ Verträge werden zurückgefahren oder umgeschichtet ++ Kartellamt fordert mehr Wettbewerb bei der ITW ++ ASP-Restriktionszonen in Sachsen erneut erweitert ++ Export bleibt schwierig

 

Streit zwischen Notierung und Hauspreisen verschärft sich

Die schlechten Nachrichten am Schweinemarkt nehmen kein Ende. In der letzten Woche ging die Notierung für Schlachtschweine wieder um 3 Cent nach unten. Die großen Schlachtkonzerne hatten zuvor mit eigenen Hauspreisen die allgemeinen Preisvorgaben unterboten. Die Erzeugerorganisationen hatten den schon äußerst niedrigen Preis von 1,23 €/kg eine Zeitlang gegen den Hauspreisdruck der Industrie verteidigt, mussten aber in der letzten Woche zurückstecken. Traditionell sei der Januar ein schlechter Monat im Fleischverkauf. Das mache sich auch jetzt wieder bemerkbar, hieß es aus Industriekreisen. Und die Überschüsse in der EU ließen auch im Binnenmarkt keine Verbesserungen zu.

Diese Hauspreise gelten aber nur bei nicht vertraglich vereinbarten Schweinen. Die Zahl der Verträge, die sich auf die Notierung beziehen, hat sich aber in den letzten Jahren je nach Unternehmen deutlich erhöht. Marktexperten sprechen davon, dass bei den Branchengrößen wie Tönnies, Westfleisch oder Vion etwa 75% bis 85% der Schlachttiere vertraglich abgesichert sind. Damit beziehen sich die Hauspreise nur auf etwa 15-25% der Schlachtschweine. Trotzdem wurde der Preis zu einer Machtprobe, den vorerst die „rote“ Fleischseite über die „grüne“ Erzeugerseite gewonnen hat.

Parallel fielen auch die Ferkelpreise wieder leicht. Von der Preiserholung im Februar, die Branchenkenner wegen der verringerten Schweinebestände angekündigt haben, ist bisher noch nichts zu sehen.

 

Verträge werden zurückgefahren oder umgeschichtet

Dass die Verhältnisse am Markt sich geändert haben, ist auch an der Vertragsgestaltung zu erkennen. Während vor Corona Schlachthöfe zur Sicherung der „Rohwaren“ noch hinter Abschlüssen von Verträgen mit Erzeugern herliefen, verlagert sich nun die Vertragsbindung.

So ändert der Lebendvieheinkauf bei Tönnies seine Auswahl von Lieferanten, wie Leiter Dr. Elmerhaus in einem Interview mit top agrar bekanntgab. Man habe die Aufnahme von QS-Schweinen gestoppt und würde die Jahresverträge in der Haltungsstufe 1 (QS) „ordentlich“ auslaufen lassen. Wer aber von QS auf Initiative Tierwohl (ITW = Haltungsform 2 des LEH) umstelle, werde die Möglichkeit eines Vertrages bekommen. Er begründet die Vertragsverschiebung mit der Veränderung in der nationalen Fleischnachfrage in Richtung ITW plus 5xD (deutsche Erzeugung vom Ferkel bis zur Verarbeitung). Daher müsse man seinen Vieheinkauf anpassen. An „nur“ gesetzlich erzeugten Schweinen gehe das Interesse zurück. Sie würden zwar weiterhin geschlachtet, aber ohne Abnahme- und Preisverpflichtung.

 

Kartellamt fordert mehr Wettbewerb bei der ITW

Zugleich wurde am Montag bekannt, dass das Kartellamt ein Augenmerk auf das Vorgehen bei der ITW geworfen hat. Einen dauerhaft einheitlichen Aufschlag für die Tierwohlleistungen, die heute bei 5,28 Ct/kg Schweinefleisch liegen, sehen die Kartellwächter eher kritisch. „Die Vereinbarung der Unternehmen über einen einheitlichen Aufpreis wurde hier für eine Übergangsphase aufgrund des Pioniercharakters dieses Projekts toleriert. Nach und nach müssen wettbewerbsrechtliche Elemente eingeführt werden,“ erklärte Kartellamtspräsident Mundt. Bis 2024 müsse das System konzeptionell weiterentwickelt werden hin zu mehr Innovationen beim Tierwohl und mehr Nachhaltigkeit.

 

ASP-Restriktionszonen in Sachsen erneut erweitert

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) bleibt weiterhin eine große Gefahr für die Schweinehaltung. Die Zahl der Vorkommnisse in Europa ist im letzten Jahr gewachsen, besonders durch die mittlerweile über 3200 Fälle in Deutschland. In Ostsachsen hat es nun neue Infektionen gegeben, so dass die Sperrzone II auf 2742 qkm erweitert werden musste. Inoffiziell heißt es, dass etwa 65.000 Schweine betroffen seien. Jede Schweinehaltung ist dem zuständigen Veterinäramt mitzuteilen, Auslauf- und Freilandhaltung ist verboten (über die Definition des Auslaufverbots wird gestritten!). Der Transport zum Schlachthof wie die Wiederaufstallung ist auf eine Ausnahmeregelung der Kreisbehörden angewiesen. Das ist aber gerade das Problem; denn erst einmal muss ein Schlachthof für die Annahme von Schweinen aus der Restriktionszone gefunden werden. Bundesweit hat sich bisher nur der Tönnies-Schlachthof in Kellinghusen (Schleswig- Holstein!) bereit erklärt. Alle anderen weisen Bedenken vor, um nicht als Unternehmen Schwierigkeiten beim internationalen Handel zu bekommen. Auch bei Wurstherstellern sei kein Markt für das Fleisch aus dieser Zone vorhanden. Dadurch staut sich die Abnahme der Tiere und vergrößert die Verluste der Erzeuger.

Zu Marktverwerfungen - wenn auch geringerer Art - kann es auch durch den ASP-Fall in Norditalien kommen. Zwar ist der Export Italiens in Drittländer begrenzt, aber der Druck von Parma-Schinken oder italienischer Salami auf den europäischen Markt dürfte steigen.

 

Export bleibt schwierig

Die Hoffnung auf wieder größere Chancen im Export vor allem nach Ostasien hat sich bisher nicht erfüllt. Ein auf die betroffenen deutschen ASP-Regionen reduziertes Exportverbot (Regionalisierung) konnte weder mit China noch mit Japan, Südkorea oder Philippinen erreicht werden. Spanien und Dänemark sprangen in die Bresche und freuten sich über das Exportwachstum in 2021. Da aber die globalen Schweinepreise rückläufig sind, konnten bei weitem nicht die Margen von 2020 erzielt werden. Zudem hat das weltgrößte Schweineland China seine Produktion im letzten Jahr um 30% erhöht und liegt damit fast wieder auf dem Niveau von 2017, bevor durch die ASP mehrere Hundert Millionen Schweine starben bzw. getötet wurden. In der Folge ist der chinesische Schweinepreis um zwei Drittel abgestürzt. Trotzdem erwarten US-Analysten auch in 2022 einen erheblichen, wenn auch reduzierten Importbedarfs des Reichs der Mitte. Ob das aber zum Überschussabbau in Europa und zu besseren Preisen führt, erscheint mehr als zweifelhaft.