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07.03.2022
FebL/PM

Internationaler Frauentag: Für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Landwirtschaft – faire Preise und sichere Bäuerinnen-Rechte weltweit

Via Campesina/AbL, Landfrauen sowie Brot für die Welt haben ihre Botschaft auch auf Twitter gepostet.

AbL, Landfrauenverband, Diakonie und Brot für die Welt mit konkreten Forderungen anlässlich des Internationalen Frauentages.

"Überlastet, ungesehen, un(ter)bezahlt“ lautet das diesjährige Motto des Frauen*-Streiks zum 8. März. Auch in der Landwirtschaft haben Frauen noch viel zu streiken. Der Anteil an Betriebsleiter:innen steigt in Deutschland zwar leicht, liegt aber lediglich bei 9 %, bei der Sozialversicherung gibt es weiterhin Nachholbedarf. Vor allem führen weiterhin veraltete Rollenverteilungen zu Mehrfachbelastung und verhindern die Gleichberechtigung.

Unter dem Motto „Mit Ernährungssouveränität und Solidarität ernten wir Rechte und ein würdevolles Leben!“ ruft auch die internationale bäuerliche Bewegung La Via Campesina zum Frauen*-Streik auf. Sie prangert vor allem Gewalt gegen Frauen an, wie Kriege, Landvertreibungen, häusliche Gewalt und gezielte Angriffe auf Aktivistinnen. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. unterstützt den heutigen Streik und solidarisiert sich mit allen, die weltweit am 8. März für ihre Rechte auf die Straße gehen. Gleichberechtigung war bei der AbL schon von Anfang an ein wichtiges Thema. So sind seit der Gründung vor 40 Jahren die Vorsitzendenposten paritätisch besetzt. Schon in den frühen Jahren der Organisation setzten sich Frauen für die gleiche Verteilung von Arbeit im Haushalt und in der Außenwirtschaft ein und machten sich beispielsweise für ihre Rente stark.

Kaya Thomas, Mitglied im AbL-Bundesvorstand, kommentiert: „Es ist wichtig zu feiern, wie Frauen ebenso wie Trans- und nichtbinäre Menschen in vielfältiger Weise ihren Platz in der Landwirtschaft gestalten und darin immer selbstverständlicher respektiert werden. Ich erlebe aber auch selbst und in meinem Umfeld die Schwierigkeiten, denen wir dabei begegnen: weniger selbstverständlich an verantwortungsvolle Aufgaben herangeführt zu werden, sexistische Sprüche, veraltete Rollenbilder oder Vorbehalte gegenüber Junglandwirtinnen bei der Hofübernahme. Wir müssen diese Probleme an der Wurzel packen, damit viele Menschen, auch Frauen und junge Menschen, in der Landwirtschaft eine Zukunft haben.“ Letztendlich bedeute mehr Geschlechtergerechtigkeit eine bessere Zukunft für alle. "Denn so wie un- oder unterbezahlte Arbeit in Pflege, Kinderbetreuung und Kochen weit überwiegend von Frauen* geleistet wird, sind gesellschaftliche Leistungen von Landwirt:innen wie Tier- und Klimaschutz häufig genau das: unbezahlte Arbeit. Wir brauchen faire Preise für die Sorgearbeit, die Bäuer:innen tagtäglich auf ihren Betrieben leisten“, so Kaya Thomas.

LandFrauenverband: Immer wieder für unsere Rechte eintreten

Zum Internationalen Frauentag richtet sich der Blick des Deutschen LandFrauenverbandes auf die große Kraft der frauenpolitischen Teilhabe und Mitgestaltung. „Frauengenerationen vor uns sind für ihre Rechte eingetreten, der Blick auf die aktuelle Lage in Deutschland, aber auch in der Ukraine zeigt: Wir Frauen müssen für unsere Rechte, für die Freiheit immer wieder eintreten, dies bleibt Aufgabe und Verpflichtung für uns alle“, zeigt sich dlv-Präsidentin Petra Bentkämper überzeugt.

Mit Blick auf die angekündigten Reformvorschläge der Bundesregierung sieht der dlv Handlungsbedarf: „Der Koalitionsvertrag der Ampelregierung verspricht arbeitsmarktpolitische Reformen, die einiges an Potenzial zur Verbesserung der Stellung der Frau in der Gesellschaft mitbringen. Dabei müssen jetzt nicht nur Taten folgen, sondern auch die spezifischen Lebensumstände von Frauen in ländlichen Regionen gezielt in den Blick genommen werden. Hierfür machen wir LandFrauen uns seit jeher stark“, sagt Petra Bentkämper.

Mit dem im Koalitionsvertrag formulierten Versprechen, die echte Gleichstellung in den nächsten zehn Jahren zu erreichen, sieht der dlv die Bundesregierung enorm im Zugzwang, dieses Vorhaben zeitnah und ohne Verzögerung anzugehen.

Die Überführung von Minijobs in die Sozialsicherungssysteme – als wichtiger Punkt zur Bekämpfung von Altersarmut – ist nicht geplant, das sieht der dlv aus frauenpolitischer Sicht sehr kritisch, ebenso die Anhebung der Minijobobergrenze auf 520 Euro. „Das langfristige Ziel muss sein, Frauen weitestgehend in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, um sie wirtschaftlich unabhängig zu machen und vor Altersarmut zu bewahren“, mahnt dlv-Präsidentin Petra Bentkämper.

Weiterhin beabsichtigt die Bundesregierung die Stabilisierung der Rente durch eine teilweise Kapitalabdeckung in Form dauerhafter Fonds zu ermöglichen. Auf die spezifischen Bedingungen, wie familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, die häufig zu weiblicher Altersarmut führen und auf die der dlv seit langem hinweist, wird allerdings nicht eingegangen. Immerhin sollen durch eine Weiterentwicklung des Entgelttransparenzgesetzes, wie auch vom dlv gefordert, individuelle Rechte durch Verbände eingeklagt werden können. Auch die Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen durch ein Zulagen- und Gutscheinsystem begrüßt der dlv im Zuge seiner Forderung sehr, da dies ein wichtiger Baustein für die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Care-Arbeit darstellen kann.

„Die geplanten Reformvorhaben kommen den dlv-Forderungen zur Sicherung gleichberechtigter Teilhabe und der Verhinderung von Altersarmut zwar ein Stück näher, doch die tatsächliche Gleichstellung braucht ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Wir Frauen müssen und dürfen nicht nachlassen, für unsere Rechte einzutreten. In Deutschland und in der Welt“, zeigt sich Petra Bentkämper entschlossen.

Frauen und Mädchen erfahren im Krieg geschlechterspezifische Gewalt

Diakonie und Brot für die Welt richten anlässlich des Frauentages ihren Fokus auf über 23 Millionen Frauen und Mädchen, die unter den Folgen des Ukraine-Krieges leiden. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Wegen der Generalmobilmachung der ukrainischen Regierung kommen fast ausschließlich Frauen über die Grenzen, viele mit ihren Kindern. Sie warten teils mehrere Tage an den Grenzübergängen in der Kälte, heißt es in einer gemeinsamem Pressemitteilung.

Die gesamte Bevölkerung in der Ukraine leidet unter dem Krieg, jedoch sind Frauen und Männer unterschiedlich von den Auswirkungen betroffen. „Frauen und Mädchen sind besonders gefährdet, im Kriegsgebiet oder auf dem Fluchtweg Opfer sexualisierter Gewalt und Ausbeutung zu werden“, sagt Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. „Für sie muss vor Ort ebenso wie auf der Flucht und in den Aufnahmestaaten dringend besondere Unterstützung sichergestellt werden.“ Die Präsidentin mahnt, dass es ohne die Überwindung geschlechtsspezifischer und struktureller Gewalt und Unterdrückung keine dauerhaft friedlichen Gesellschaften geben wird. „Die von der Bundesregierung angekündigte feministische Außen- und Entwicklungspolitik öffnet diesen Weg.“

Untersuchungen zeigen, so die zwei Organisationen, dass bewaffnete Konflikte die Zunahme von Gewalt gegen Frauen begünstigen. Kriegstraumata bei Soldaten können zu verstärkter Gewalt gegen Frauen und Kinder führen. Verschärft werde dies durch die Zementierung traditioneller Geschlechterrollen, wenn Frauen und Kinder fliehen und Männer an den Fronten zurückbleiben.

Diakonie Vorständin Maria Loheide: „Frauen und Kinder, die jetzt bei uns Schutz suchen, brauchen schnelle und unkomplizierte Hilfe. Das sind nicht nur Wohnmöglichkeiten, sondern auch Informationen über ihre Rechte sowie professionelle Unterstützung und Begleitung. Auch müssen sie schnell einen unkomplizierten Zugang zu Gesundheits- und Sozialdienstleistungen erhalten. Die Diakonie ist in ihren Beratungsstellen vorbereitet, um geflüchteten Menschen und insbesondere den jetzt hier ankommenden Frauen in dieser belastenden Situation zur Seite zu stehen.“

Brot für die Welt und die Diakonie Deutschland appellieren an die Bundesregierung und die europäische Staatengemeinschaft, Organisationen in der Ukraine, die sich für die Rechte und Sicherheit von Frauen und Mädchen stark machen, finanziell und politisch zu unterstützen und einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu psychosozialen Leistungen zu schaffen.