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07.03.2022
FebL/PM

Vereinbarkeit von Wolf und Weidewirtschaft

Bioland und BUND in NRW sowie die Landesschafzuchtverbände aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen machen Vorschläge zur Vereinbarkeit von Weidetierhaltung und Wolf.

Die NRW-Landesverbände von Bioland und des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) haben ein gemeinsames Positionspapier zur Vereinbarkeit von Wolf und Weidewirtschaft erarbeitet, das auch die Entnahme in begründeten Ausnahmefällen vorsieht, und dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium zugeschickt. Die Landesschafzuchtverbände aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bitten ihre jeweiligen Ministerpräsidenten in einem offenen Brief um Unterstützung für „regional differenzierte, problemorientierte Entnahmemöglichkeiten“.

In ihrem Positionspapier erkennen Bioland und BUND an, dass die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland eine Bereicherung für die Artenvielfalt darstellt. Weiterhin stehen die beiden Verbände ausdrücklich für die extensive Weidetierhaltung als besonders naturverträgliche Form der Landnutzung ein. Ihre Leistungen für Natur und Landschaft sind unersetzlich. Herausforderungen im Umgang mit dem Raubtier, die insbesondere die Haltung von Weidetieren betreffen, werden aber nach Ansicht der Verbände bisher nicht ausreichend politisch beantwortet.

Daraus ergibt sich die Forderung nach einem Wolfsmanagement, das Präventionen von Wolfsübergriffen auf Weidetiere durch Verbesserungen der Hilfen für die Tierhalter sowie klare Regeln im Zusammenleben von Wolf, Mensch und Weidetier formuliert.

„Wir wollen mit unserem gemeinsam erarbeiteten Positionspapier deutlich machen, dass sich landwirtschaftliche und naturschutzfachliche Interessen auch in Sachen Wolf auf einen Nenner bringen lassen können“, so Holger Sticht, Landesvorsitzender des BUND. Und auch Achim Koop, Vorsitzender von Bioland Landesverband NRW, unterstreicht: „Der Wolf ist nun wieder ein Teil unseres Alltags. Dafür müssen wir einen praktikablen Umgang finden, mit dem alle Beteiligten leben können.“

Kernpunkte der gemeinsamen Position sind laut Aussage der zwei Verbände die unbürokratische finanzielle Unterstützung von Herdenschutzmaßnahmen, rechtssichere und praktikable Regelungen zur Verscheuchung, Vergrämung und Entnahme einzelner Tiere in begründeten Ausnahmefällen sowie die wissenschaftliche Überprüfung von Schutzmaßnahmen unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten. Zudem fordern Bioland und BUND die Beratung der Tierhalterinnen und Tierhalter breiter aufzustellen, landwirtschaftliche Beraterinnen und Berater besser zu qualifizieren und Herdenschutz in die allgemeine Beratung zur Weidetierhaltung zu integrieren.

Konkret heißt es in dem Positionspapier unter anderem:
„Damit Weidetierhaltung bei Anwesenheit des Wolfes in NRW weiter möglich ist, sind aus Sicht von Bioland und BUND NRW konkret folgenden Maßnahmen notwendig:
- Herdenschutz muss als öffentliche Aufgabe anerkannt werden. Es müssen Programme zur Förderung und Honorierung aller notwendigen Aufwendungen - einschließlich der regelmäßigen Zaunpflege und des Freihaltens des Zaunes - für den erforderlichen Herdenschutz (einschließlich Arbeitszeit) aufgelegt werden.
- Etablierung und Stärkung einer flächen- oder tiergebundenen Weideprämie, um Weidetierhaltung langfristig wirtschaftlich zu erhalten und zu fördern, so wie sie u.a. jetzt im Land Niedersachsen eingeführt wurde.“

Landesschafzuchtverbände bitten um Unterstützung

Die Landesschafzuchtverbände aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bitten in einem offenen Brief die jeweiligen Ministerpräsidenten um Unterstützung bei dem für unsere Tierhaltung überlebenswichtigen Problem „Wolf“, heißt es in dem Brief. Die Regierungschefs sollen sich im Bundesrat oder über die Ministerpräsidentenkonferenz bei der Bundesregierung für „regional differenzierte, problemorientierte Entnahmemöglichkeiten“ einsetzen.

In den genannten Bundesländern leben, so die Landesschafzuchtverbände, laut Statusbericht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) vom November 2021 151 von 157 Wolfsrudeln und 25 von 27 Wolfspaaren bundesweit. Von 942 Übergriffen im Jahr 2020 fanden 847 in diesen Bundesländern statt. Schafe und Ziegen waren in 89,3 % der Übergriffe auf Nutztierarten die Opfer.

Der Erhalt von beweidetem Grünland ist nach Ansicht der Verbände für die Förderung der Artenvielfalt von Wildpflanzen und Wildtieren unabdingbar. Nur wenn es weiterhin Weidetiere gebe, „wird unsere gewachsene Kulturlandschaft ihre vielfältige Zusammensetzung behalten. Weidetierhaltung muss zumutbar bleiben!“

Konkret bitten die Verbände die Ministerpräsidenten, über den Bundesrat oder die Ministerpräsidentenkonferenz auf die Bundesregierung einzuwirken, „damit diese zeitnah
- die FFH-Richtlinie Art. 16 Abs. 1 Buchstabe e) in das Bundesnaturschutzgesetz übernimmt
- den guten Erhaltungszustand des Wolfes für Deutschland, und wenn dies nicht möglich erscheint, zumindest zunächst einmal für den Korridor der Bundesländer von Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern bis Niedersachsen feststellt und
- den genannten Ländern regional differenzierte, problemorientierte Entnahmemöglichkeiten einräumt.“